Was wäre, wenn Hersteller tausende QR-Codes für digitale Produktpässe drucken könnten, bevor sie wissen, auf welchen Produkten sie landen?
Eine der Herausforderungen bei der Einführung digitaler Produktpässe (DPP) ist es, die Produktkennzeichnung in bestehende Fertigungsprozesse einzubinden. Bisher braucht ein produktspezifischer QR-Code das Produktmodell, die Chargennummer, das Herstellungsdatum und weitere Fertigungsdaten, bevor das Etikett gedruckt werden kann.
Es gibt einen flexibleren Ansatz: vorgedruckte QR-Code-Etiketten mit einer eindeutigen Kennung, die erst später im Fertigungsprozess mit den Produktinformationen verknüpft wird. Das vereinfacht die Etikettierung, reduziert Druckequipment an jeder Linie und erlaubt es, die Erstellung der Produktpässe Schritt für Schritt zu automatisieren.
1. Jetzt den QR-Code drucken, später die Produktdaten verknüpfen
Ein digitaler Produktpass verlangt nicht, dass Produktmodell, Herstellungsdatum oder Chargennummer im QR-Code stehen. Nach der Ökodesign-Verordnung (ESPR) muss der Pass über einen Datenträger mit einer dauerhaften eindeutigen Produktkennung verbunden sein (Artikel 10 Absatz 1 Buchstabe a), einer eindeutigen Zeichenfolge, die auch einen Weblink zum Pass ermöglicht (Artikel 2 Nummer 30). Die Daten liegen im Pass, nicht im Code.
Das Prinzip ist einfach: Der QR-Code identifiziert das physische Produkt, der digitale Datensatz dahinter enthält die Produktinformationen.
Beim Druck muss der Kennung noch kein Produktmodell, kein Fertigungsauftrag und keine Charge zugeordnet sein. Ein Hersteller kann einen einzigen Bestand vorgedruckter, serialisierter Etiketten über mehrere Produktlinien hinweg nutzen. Die Produktinformationen werden später über die Aktivierung mit der Kennung verknüpft.
Welche Kennung gedruckt wird
Die Kennung muss weltweit eindeutig und dauerhaft sein und darf nie wiederverwendet werden. Datenträger und Kennung müssen den Normen in Anhang III der ESPR folgen, die auf der Normenreihe ISO/IEC 15459 aufbauen, sowie den harmonisierten europäischen Normen EN 18219 (eindeutige Kennungen) und EN 18220 (Datenträger), die im Durchführungsbeschluss (EU) 2026/1736 der Kommission genannt sind. In der Praxis gibt es zwei Hauptoptionen:
- Die Produktlinie ist beim Druck bekannt. Nutzen Sie eine GS1-Digital-Link-URL mit GTIN und Seriennummer, zum Beispiel
https://id.example.com/01/{GTIN}/21/{Seriennummer}. Die Aktivierung verknüpft die Seriennummer dann mit Charge und Produktionsdaten. - Die Etiketten müssen für jedes Produkt passen. Nutzen Sie eine Kennung einer Vergabestelle nach ISO/IEC 15459, die nicht vom Produkt abhängt, zum Beispiel
https://id.example.com/{Vergabestellen-Präfix}{eindeutige-ID}. Bei der Aktivierung wird die Kennung im Resolver und im Pass mit der GTIN und der Chargen- oder Seriennummer des Produkts verknüpft.
Beachten Sie, dass GS1-Schlüssel für Produkte von der GTIN ausgehen: Eine GS1-Serien- oder Chargennummer gehört immer zu einer GTIN. Die GS1-Kennung für Anlagegüter (GIAI) kommt für verkaufte Produkte nicht in Frage; laut den GS1 General Specifications identifiziert sie eine physische Einheit als Anlagegut und darf nicht für andere Zwecke verwendet werden. Die ESPR sieht außerdem Regeln für Unternehmen vor, die eigene Kennungen ohne Vergabestelle erzeugen wollen (Artikel 12 Absatz 4 Buchstabe b). Prüfen Sie den delegierten Rechtsakt für Ihre Produktgruppe und sprechen Sie mit Ihrer Vergabestelle, bevor Sie sich für ein Schema entscheiden.
2. Drei Wege, vorgedruckte DPP-Etiketten zu aktivieren
Hersteller können die Aktivierungsmethode wählen, die zu ihrer Fertigung, ihrem Automatisierungsgrad und ihren IT-Systemen passt.
Option 1: Automatische Aktivierung über MES oder ERP
Mit einem Manufacturing Execution System (MES) oder einem ERP-System wird die Aktivierung Teil des bestehenden Fertigungsablaufs. Sobald ein Produkt gefertigt und die Kennung seines Etiketts mit dem Fertigungsauftrag verknüpft ist, übermittelt das MES die relevanten Daten über eine API oder einen strukturierten Datenaustausch an die DPP-Plattform, zum Beispiel:
- die eindeutige Kennung auf dem Etikett;
- das Produktmodell oder die Referenz;
- Fertigungsauftrag und Chargennummer;
- Datum und Standort der Herstellung;
- weitere produktspezifische Produktionsdaten.
Die DPP-Plattform verknüpft die Kennung mit den richtigen Produktdaten und erstellt oder aktualisiert den digitalen Datensatz.
Hauptvorteil: Die Aktivierung wird Teil des bestehenden Datenflusses, mit wenig Mehraufwand für die Bedienenden. Entscheidend ist eine zuverlässige Verknüpfung zwischen Etikettenkennung und MES-Produktionsdatensatz.
Option 2: Automatisierte Aktivierung mit Industriekameras oder Scannern
An einer festen Stelle der Linie wird ein industrieller QR-Code-Leser oder ein Bildverarbeitungssystem installiert. Nach dem Aufbringen des Etiketts liest die Kamera die Kennung, wenn das Produkt vorbeiläuft. Die Kennung geht direkt oder über das MES an die DPP-Plattform und wird mit dem Produktionskontext kombiniert: dem aktiven Fertigungsauftrag, Modell, Charge oder Zeitstempel.
Hauptvorteil: Linien mit hohen Stückzahlen aktivieren Kennungen, ohne dass jemand Produkte von Hand scannt. Voraussetzung sind eine zuverlässige Synchronisierung zwischen gescannter Kennung und richtigem Produktionsdatensatz sowie ein Ablauf für unlesbare oder fehlende Etiketten.
Option 3: Manuelle Aktivierung durch das Produktionspersonal
Ohne MES-Anbindung oder automatisches Scannen funktioniert ein einfacher Ablauf für Bedienende. Nach dem Aufbringen des Etiketts scannt die Person den QR-Code mit Smartphone, Tablet oder Handscanner. Der Scan öffnet eine authentifizierte Produktionsoberfläche, in der Produktmodell, Charge oder Herstellungsdatum ausgewählt oder bestätigt werden. Nach der Bestätigung ist die Kennung mit dem digitalen Datensatz verknüpft. Mehrere Etiketten mit denselben Produktionsdaten lassen sich gemeinsam scannen und aktivieren.
Hauptvorteil: wenig Infrastruktur und schnell eingeführt, geeignet für kleinere Standorte und erste DPP-Projekte.
3. Ein Etikettierungsansatz für chargen- und einzelstückbezogene Pässe
Dieselben vorgedruckten Etiketten unterstützen unterschiedliche Detailebenen des Passes. Nach der ESPR beziehen sich die Daten auf das Produktmodell, die Charge oder den Artikel, wie im delegierten Rechtsakt der jeweiligen Produktgruppe festgelegt (Artikel 10 Absatz 1 Buchstabe f).
- DPP auf Einzelstückebene. Jedes Produkt erhält eine eigene Kennung und einen eigenen Pass, für individuelle Rückverfolgbarkeit, Lebenszyklusinformationen und produktspezifische Aktualisierungen.
- DPP auf Chargenebene. Produkte einer Charge teilen einen gemeinsamen Datensatz. Hersteller können eine gemeinsame Chargenkennung drucken oder jedem Produkt ein eigenes serialisiertes Etikett geben, das auf dieselben Chargeninformationen verweist. Die zweite Variante bewahrt die Einzelidentifizierung und nutzt trotzdem ein gemeinsames Datenmodell.
Was das für Batterien bedeutet
Der Batteriepass nach der Batterieverordnung (EU) 2023/1542 gilt auf Einzelstückebene: Ab dem 18. Februar 2027 braucht jede LV-Batterie, jede Industriebatterie mit mehr als 2 kWh und jede Elektrofahrzeugbatterie einen elektronischen Datensatz mit Informationen zum Modell und zur einzelnen Batterie (Artikel 77 Absätze 1 und 2). Er ist über den QR-Code erreichbar, der mit einer eindeutigen Kennung verknüpft ist, die der Wirtschaftsakteur der Batterie zuweist (Artikel 77 Absatz 3). Vorgedruckte serialisierte Etiketten passen dazu gut: Jede Batterie erhält ein eigenes Etikett, das mit ihren eigenen Daten aktiviert wird. Geräte-, SLI- und kleine Industriebatterien brauchen keinen Batteriepass, ihr QR-Code muss aber trotzdem zu Produktionsdaten wie Herstellungswerk und -datum führen; mehr dazu in unserem Artikel Kein Batteriepass nötig? Hinter dem QR-Code brauchen Sie trotzdem digitale Batteriedaten.
Die Detailebene muss immer den Regeln für das jeweilige Produkt folgen. Einzelidentifizierung bedeutet nicht, dass jede Einheit einen eigenen vollständigen Pass braucht.
4. Von der Aktivierung des Etiketts zur Veröffentlichung des Passes
Unabhängig von der Aktivierungsmethode folgt der Ablauf denselben Schritten:
- Erzeugung der Kennungen: Eindeutige Kennungen und ihre QR-Code-URLs werden nach dem gewählten Schema erzeugt.
- Vordruck: Die Etiketten werden vorab produziert und an die Standorte verteilt.
- Etikettierung: Ein Etikett wird während oder am Ende der Fertigung auf ein Produkt aufgebracht.
- Aktivierung und Verknüpfung: Die Kennung wird über MES-Anbindung, automatisches Scannen oder manuelle Aktivierung mit den Produktionsdaten verknüpft.
- DPP-Erstellung: Die Plattform führt Unternehmens-, Modell-, Chargen- und gegebenenfalls Einzelstückdaten zum digitalen Datensatz zusammen.
- Validierung und Veröffentlichung: Der Pass wird geprüft, validiert und nach den geltenden Regeln veröffentlicht.
Aktivierung und Veröffentlichung können getrennte Schritte sein: Eine Kennung kann während der Fertigung registriert werden, während der Pass im Entwurf bleibt, bis alle Pflichtangaben geprüft sind. Vollständig sein muss der Pass aber, bevor das Produkt auf den Markt kommt. Nach der ESPR dürfen Produkte nur in Verkehr gebracht oder in Betrieb genommen werden, wenn ein digitaler Produktpass verfügbar ist (Artikel 9 Absatz 1), und der Wirtschaftsakteur lädt die eindeutigen Kennungen in das EU-Register für digitale Produktpässe hoch (Artikel 13). Nicht verwendete Etiketten werden nie registriert, und ihre Kennungen dürfen nie einem anderen Produkt zugewiesen werden.
5. Warum vorgedruckte DPP-Etiketten?
- Einfachere Etikettenverwaltung: generische serialisierte Etiketten für verschiedene Modelle und Fertigungsaufträge.
- Weniger Druckinfrastruktur: kein Drucker für variable QR-Codes an jeder Linie.
- Flexible Einführung: mit manueller Aktivierung starten und schrittweise mit Scannern oder MES automatisieren.
- Bessere Einbindung in die Produktion: vorhandene ERP- und MES-Daten füllen den Pass.
- Skalierbare Rückverfolgbarkeit: eine Kennzeichnungsstrategie für verschiedene Produkte, Werke und Detailebenen.
- Langfristige Flexibilität: Produktinformationen können sich digital ändern, ohne dass sich der physische Code ändert.
Vordruck ist nicht immer die günstigste Option. Vergleichen Sie Etikettenkosten, Bestandsführung, Aktivierungsaufwand, Scanner-Integration und Plattformkosten mit dem Druck nach Bedarf. Ein robuster Aufbau verwaltet außerdem ungenutzte, beschädigte oder doppelte Etiketten, verhindert die Neuvergabe von Kennungen und stellt sicher, dass keine Produkte mit unvollständigen Pflichtangaben ausgeliefert werden.
6. Wie GoodsTag vorgedruckte DPP-Etiketten unterstützt
GoodsTag verbindet vorgedruckte QR-Codes mit digitalen Produktpässen, unabhängig davon, wie und wann die Etiketten in der Fertigung aufgebracht werden. Die GoodsTag-Plattform unterstützt:
- Erzeugung und Verwaltung eindeutiger Kennungen und QR-Code-URLs;
- Verknüpfung vorgedruckter Kennungen mit Produktmodellen, Chargen und einzelnen Produktionsdatensätzen;
- Anbindung an MES- und ERP-Systeme über APIs und Datenaustausch;
- automatisierte Aktivierung über industrielle QR-Code-Leser;
- manuelle oder gruppierte Aktivierung über Bedienoberflächen;
- Zusammenführung von Unternehmens-, Produkt-, Produktions- und regulatorischen Informationen;
- Erstellung, Verwaltung und Veröffentlichung von Pässen mit rollenbasierter Zugriffskontrolle.
Indem Etikettierung und Produktdatenverwaltung getrennt werden, können Hersteller eine Kennzeichnungsstrategie wählen, die zu ihrer Fertigung passt, statt die Fertigung um den QR-Code-Druck herum umzubauen. Mit GoodsTag kann der QR-Code zuerst gedruckt werden. Die Produktinformationen können später folgen. Der digitale Produktpass verbindet beides.
Quellen
- Verordnung (EU) 2024/1781, Ökodesign-Verordnung, Artikel 2, 9, 10, 12, 13 und Anhang III
- Verordnung (EU) 2023/1542 über Batterien und Altbatterien, Artikel 13 und 77
- Durchführungsbeschluss (EU) 2026/1736 über harmonisierte Normen für digitale Produktpässe
- GS1 General Specifications
- GS1-Digital-Link-Standard
Dieser Artikel gibt die Rechtslage vom 8. Oktober 2026 wieder und ist keine Rechtsberatung.